Die GHG im AStA – Was hat sich seit den Hochschulwahlen getan?

Inhalte schlagen Waffeln
Wahlkampf. Wochenlang drehte sich alles um dieses Thema. Die Hochschulgruppen hatten ihre Stände im ZHG aufgebaut und waren bemüht, mit allen Mitteln die Gunst der Wähler*innen für sich zu gewinnen. Andere Gruppen schufen zu diesem Zweck hauptsächlich Konsumangebote, gegen die wir mit unseren Inhalten ankommen wollten. Nach Tagen voller Trubel, Waffelgeruch und Informationsflut war von allen Seiten sowohl die Anspannung als auch die Erschöpfung zu spüren, sodass alle erleichtert waren, dass der Wahlkampf vorbei war.
Die Spannung war bis ins Unermessliche gestiegen und zur Überraschung aller, änderte die Bekanntgabe des Ergebnisses daran nichts. Die Sitze im Studierendenparlament waren gleichmäßig zwischen dem konservativen Lager (ADF 21, RCDS 10) und dem links-allgemeinpolitischen Lager (GHG 13, Juso-HSG 13, BGL 2, Die PARTEI 2, SRK 1) verteilt. Außerdem hatte die neue Hochschulgruppe Nerdcampus (mittlerweile Nordcampus) einen Sitz bekommen.

Langer Weg zu einem neuen linken AStA
Die Koalitionsverhandlungen zogen sich in die Länge. Es gab viele Treffen zwischen den verschiedensten Gruppen und die konstituierende Studierendenparlamentssitzung wurde mehrfach vertagt, weil sich keine Mehrheit gefunden hatte. Im dritten Teil der konstituierenden Sitzung, die mehr als zwei Monate nach den Wahlen stattfand, konnten wir unser Ziel erreichen: Es wurde ein linker AStA gewählt, in dem wir unsere politischen Ideen umsetzen können.
Seitdem konnte im AStA sehr viel Arbeit geleistet werden. Nachdem es zunächst darum ging, schnellstmöglich einen Haushaltsplan aufzustellen, vor allem, um den Fachschaften das ihnen zustehende Geld zur Verfügung zu stellen, konnten wir sehr bald auch in unsere inhaltliche Arbeit einsteigen.
So ist der AStA wie auch im letzten Jahr wieder darum bemüht, allen Studierenden ein besseres Studium zu ermöglichen. Neben vielen Service- und Beratungsangeboten machen wir auch viel inhaltliche Arbeit, sodass wir zusätzlich zu den fünf Pflichtreferaten (Vorsitz, Finanzen, Soziales, Hochschule, Außen) die drei inhaltlichen Referate Politische Bildung, Gender & Diversity und Ökologie und Nachhaltigkeit eingerichtet haben. Ein großes Projekt ist auch in diesem Jahr das „Festival contre le racisme“, ein kostenloses Campusfestival, das nicht nur unterhalten, sondern auch ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung in allen Bereichen am vergangenen Wochenende setzen sollte.

Nachhaltigkeit im gesellschaftspolitischen Zusammenhang
Der inhaltliche Schwerpunkt der GHG liegt im AStA auf Themenkomplexen, die in den Aufgabenbereich des Referats für Ökologie und Nachhaltigkeit fallen. Unser Ziel dabei ist es, Umweltbewusstsein zu schaffen und die vielen Bereiche der Hochschule nachhaltiger zu gestalten. Aus diesem Grund haben wir eine Menge Projekte aus dem letzten Jahr weitergeführt und natürlich auch neue angestoßen.
So konnten wir es bewerkstelligen, dass die einzelnen Bereiche der Uni nicht nur Frischfaser-, sondern auch Recyclingpapier nutzen können. Eine weitere Bestätigung unserer Arbeit war die Rückmeldung von StudIT, dass die Umstellung auf den Duplex-Druck als Standardeinstellung, die wir noch in der letzten Legislaturperiode bewirkt hatten, den studentischen Papierverbrauch um ein Drittel verringern konnte.
Außerdem führen wir Gespräche mit dem Studentenwerk, um die Mülltrennung in den Mensen und Cafeterien zu verbessern, mehr fair-gehandelte, regionale und biologische Produkte ins Angebot zu bringen und ein ökologischeres Kaffeebechersystem einzuführen. Darüber hinaus organisieren wir eine Vielzahl von Veranstaltungen, die das Thema Nachhaltigkeit in den gesellschaftspolitischen Zusammenhang bringen, in dem es ohne Zweifel steht.

All das stellt nur einen kleinen Ausschnitt des gesamten AStA, in dem wir nach der langen Verhandlungsphase endlich unsere politische Arbeit fortführen können, dar. Über weitere Projekte des AStA könnt ihr euch auf der AStA-Website (unter asta.uni-goettingen.de) und auf der Facebook-Seite des AStA (unter fb.com/goeasta) informieren!

Interview mit univision

Vor kurzem haben wir dem unabhängigen studentischen Campusfernsehen ein Interview gegeben. Auf dem YouTube-Kanal sind auch Interviews mit anderen hochschulpolitischen Gruppen, sowie natürlich regelmäßig der Newsflash zu finden.

GHG-Einstiegsabend am 15.05.17

Wir laden alle Interessierten herzlich zu unserem Einstiegsabend ein!

Wie können ökologische Interessen in Studierendenparlament, AStA, Fachschaften und Kommissionen und sonstwo an der Uni vertreten werden? Wieso ist das sinnvoll und macht auch noch jede Menge Spaß? Was unterscheidet die GHG von anderen Hochschulgruppen? Was liegt uns außer Nachhaltigkeit noch so am Herzen? Und wer ist eigentlich Erik*a?

Diese Fragen möchten wir euch am Montag, den 15.5. in gemütlicher Runde beantworten. Los geht es um 20.15 Uhr im AStA-Gebäude in der Goßlerstraße 16a. Über Foodsharing organisieren wir auch gern wieder leckeres Essen. Danach wollen wir, vorausgesetzt ihr habt Lust, noch in eine Bar am Z-Campus und da mit euch weiter schnacken.

Wir freuen uns auf euch!
Eure GHG

Salafismus als Protestkultur – Wie können wir der Szene in Niedersachsen begegnen?

Vortrag und Diskussion
30.05.2017 | 19:00 Uhr | ZHG 008 | Uni Göttingen
Veranstaltet von der Grünen Jugend Göttingen, in Kooperation mit der Grünen Jugend Northeim und der Grünen Hochschulgruppe Göttingen

In den letzten Wochen und Monaten machten Razzien gegen Salafisten, die laut Sicherheitsbehörden Anschläge geplant hatten, in Südniedersachsen Schlagzeilen. Vor dem Hintergrund der terroristischen Akte in Berlin, London und anderen inner- und außereuropäischen Städten sind das Nachrichten, die Angst auslösen und verunsichern können. Und solche Ängste werden von vielen Gruppen gezielt geschürt, um „den Islam“ als Feindbild zu brandmarken, Muslime & Geflüchtete pauschal zu stigmatisieren, einen Keil zwischen Muslime und Nicht-Muslime zu treiben und damit die Gesellschaft zu spalten oder instrumentalisiert, um Wahlkampf zu betreiben. Eine kritische Einordnung, die ohne Stereotypisierungen oder Verharmlosungen auskommt, ist deshalb dringend notwendig. In der Veranstaltung „Salafismus als Protestkultur – Wie können wir der Szene in Niedersachsen begegnen“ soll diskutiert werden, warum sich insbesondere junge Menschen dem Salafismus und auch seinen dschihadistischen Ausformungen bzw. Strömungen zuwenden.

In der Veranstaltung sollen auch Handlungsmöglichkeiten für Kommunen und Bundesländer aufgezeigt und dargestellt werden, warum Prävention und Zusammenarbeit mit islamischen Organisationen nachhaltigere Erfolge bringen, als eine oft von Aktionismus getriebene Verschärfung von Sicherheitspolitik.

Die Referentin Nina Käsehage ist Historikerin und Religionswissenschaftlerin und hat ihre Doktorarbeit zur salafistische Szene in Deutschland und ihren europäischen Vernetzungen verfasst. In diesem Zusammenhang führte sie insgesamt 175 Interviews mit namhaften Predigern und AktivistInnen. Nina Käsehage hat Lehraufträge an der Georg-August-Universität Göttingen und ist seit kurzem Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Rostock. Sie ist eine renommierte Expertin auf dem Gebiet der Salafismus-Forschung, tritt regelmäßig in Fernsehen und Radio auf und beschreibt in ihrem 2017 veröffentlichten Buch „Dschihad als Ausweg“, warum sich junge Frauen religiös radikalisieren. Zudem betreut sie ehrenamtlich Eltern und Angehörige von radikalisierten jungen Menschen und konnte zusammen mit deren Eltern bislang 35 Ausreiseversuche von DschihadistInnen nach Syrien und den Irak verhindern.

Wer denunziert hier eigentlich wen?

Prof Dr. Achim Spiller, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Bundesagrarministeriums und Finanzdekan der Göttinger Fakultät für Agrarwissenschaften, publizierte zusammen mit Theresa Bernhardt, einer Mitarbeiterin seines Lehrstuhls „Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte“, in der Samstagsausgabe der FAZ vom 14.01. einen Gastkommentar. Sie bezogen Stellung zu Fehlentwicklungen innerhalb der Agrarindustrie, wie Überbelegung oder unerlaubtem Medikamenteneinsatz und plädierten für häufigere Kontrollen, der Förderung von Whistleblowing und einer besseren Qualifizierung und verstärkten Objektivität der Prüforgane.

Akademiker*innen, die ihren sprichwörtlichen Elfenbeinturm verlassen und mit ihren Erkenntnissen die öffentliche Debatte bereichern, sind eigentlich sehr begrüßenswert. Die Fachschaft der Agrar-Fakultät, welche komplett von der ADF-Untergruppe „Unabhängige Landwirte“ gestellt wird, sah dies anders. In einem bei Facebook am 22.01.17 veröffentlichten Brief wird Prof. Spiller durch die Fachschaft „Bestürzung“ und „maßlose Enttäuschung“ glatt im Namen der Studierendenschaft der Agrar-Fakultät ausgesprochen. Darüber hinaus wird im Artikel die „Denunziation eines gesamten Berufsstandes“ gesehen und die darin enthaltenen Schilderungen als „aggressive, populistische Schuldzuweisungen“ betitelt. Der Brief wurde anschließend dankend von verschiedenen regionalen, wie bundesweiten bäuerlichen Interessens- und Lobbyverbänden verbreitet und durch weitere teils unsachliche Kritik ergänzt. Die „Interessensgemeinschaft der Schweinehalter“ bspw. unterstellt den von Spiller und Bernhardt ausgeführten Sachverhalten innerhalb der Nutztierhaltung pauschal Realitätsferne und betitelt den FAZ-Kommentar in Gänze gar als so „überflüssig wie ein Kropf“.

Doch genau das ist er nicht! Herr Prof. Dr. Spiller stieß sowohl bundesweit als auch hier an der Göttinger Agrarfakultät eine schon längst überfällige Debatte an und plädiert damit für nicht weniger als eine kritische, zeitgemäße Hinterfragung der Wagenburgmentalität vieler Landwirte.
Spiller selbst stellte sich vergangene Woche Montag indes in einem überfüllten Hörsaal der Diskussion und unterlegte seine geschilderten Sachverhalte mit eigenen Forschungsergebnissen. Vertreter*innen der Fachschaft Agrar wollten, trotz mehrmaliger Bitte seitens der Moderation, ihre zuvor deutlich aufgeworfene Kritik im Rahmen der Veranstaltung nicht wiederholen.

Als GHG möchten wir uns klar positionieren und uns bei Menschen wie Herrn Prof. Dr. Achim Spiller und Theresa Bernhardt für ihr Wirken in die öffentliche Debatte hinein bedanken. Industrielle Tierhaltung birgt besondere Verantwortung und rechtfertigt, auch unter dem Gesichtspunkt zunehmender ökonomischer Zwänge, ein besonders hohes Maß an Regulierungen. Es geht nicht darum „armen“ Bauern zu schaden, sondern nachweislich vorhandene Fehlentwicklungen innerhalb der Nutztierhaltung offen zu thematisieren und schließlich, auch aus Eigeninteresse, entgegenzuwirken. Geschieht dies an Stellen wie einer Göttinger Fakultät, welche sich nicht gerade mit großer Distanz zur Agrar-Wirtschaft rühmen kann, umso besser.

Grüne Hochschulgruppe Göttingen, 01.02.2017

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Der ursprüngliche Artikel vom 14.01. ist leider nicht online verfügbar. Allerdings hat die FAZ mittlerweile auch der Reaktion der Agrar-Fachschaft einen Artikel gewidmet. Dieser ist hier nachzulesen.

Der Offene Brief der Fachschaft Agrar findet sich hier auf Facebook. Ein Blick in die Kommentare lohnt sich ebenfalls, um die Dimension der aufgebrachten Reaktionen zu begreifen.