Archiv für Mai 2005

Billiger Kaffee für uns – Erzeuger der Dritten Welt sehen schwarz

Ob nach dem Aufstehen, vor der Vorlesung, während der Klausurenzeit oder einfach immer, Kaffee ist das beliebteste Getränk (noch vor Bier) der Deutschen. Allein das Studierendenwerk der Universität Göttingen gibt jährlich mehrere Tonnen Kaffee aus. Auch in anderen Industrienationen wird viel Kaffee getrunken so dass Kaffee nach Erdöl, auf dem Weltmarkt das zweitgrößte Handelsvolumen ausmacht. Da Kaffee besondere Anforderungen an seine Umwelt stellt kann er nur in einigen Ländern des Südens angebaut werden. Hier hat der Kaffee eine herausragende Stellung für die lokale Wirtschaft und für die Deviseneinnahmen dieser Länder.

In den letzten Jahren hat sich der Kaffeepreis halbiert und ist damit auf ein historisches Tief gefallen – mit drastischen Auswirkungen für die Produzenten. Grund hierfür ist ein neuer Stern am Kaffeehimmel: Vietnam ist mit Unterstützung der Weltbank in die Kaffeeproduktion eingestiegen. Durch Lohndumping, Missachtung ökologischer Folgen, einer rigorosen Enteignung der indigenen Bevölkerung und einer kräftigen Geldspritze durch die Weltbank, kann Vietnam besonders günstig produzieren. Das Angebot stieg schneller als die Nachfrage und so fiel der Kaffeepreis stetig. Ein Großteil der Kaffee-Produzenten in anderen Ländern besteht aus Kleinbauern und ihren Familien. Durch die neuen Kaffeepreise lohnt sich oftmals der Anbau nicht mehr, gesamte Landstriche verarmen, die rurale Bevölkerung flüchtet in die Slums der Megastädte.

Auch für uns hat der Preisverfall negative Folgen: Zum einen wird die Entwicklungshilfe der letzten Jahre in vielen Länder zunichte gemacht, die gerade auf kleinbäuerliche Strukturen gesetzt hat; zum anderen wird in Ländern wie Kolumbien der Anbau von Kokasträuchern und Schlafmohn extrem ausgedehnt – Rauschgifte die irgendwann in den Industrienationen landen.

Doch wie setzt sich der Kaffeepreis bei uns zusammen? 500g Kaffee kosten im Supermarkt zur Zeit ca. 3,50 Û. Davon gehen nur ca. 10% an die Erzeuger. Den Rest des Kuchen teilen sich Handel, Staat und Röster, wobei die großen Aufkäufer ein Oligopol bilden (85% des deutschen Markt werden von 6 Anbietern beliefert). Dabei wurde nur ein Teil des Preisverfalls an die Konsumenten weitergegeben, ein Großteil verblieb als Gewinn bei Nestle und Co und als Dividendenausschüttung bei deren Aktionären.

Durch fairen Handel kann man einen großen Teil des Kaffeeproblems abmildern. Hierbei wird den Erzeugern ein höherer Anteil am Kaffeepreis zugesprochen, außerdem werden langfristige Verträge abgeschlossen und gezielt Projekte ländlicher Räume unterstützt. Die Abnahme erfolgt oft über örtliche Genossenschaften, so dass es nicht zu einer Konkurrenz innerhalb des Dorfes kommt. Dabei kostet Transfair-Kaffee nur minimal mehr als herkömmlicher obwohl durch den noch geringen Marktanteil die operativen Kosten höher liegen. Grund sind die geringeren Gewinnspannen mit denen Anbieter von fair gehandeltem Kaffee arbeiten.

Das Studierendenwerk der Universität hat bis 1998 fair gehandelten Kaffee ausgeschenkt. Zur Zeit wird billiger Industriekaffee eingesetzt. Dass es auch anders geht zeigen die Theo-Cafete (im Theologicum) und das Cafeten-Kollektiv der Mathe, die fair gehandelten Kaffee sogar günstiger als das Studierendenwerk anbieten. Wir fordern daher, dass das Studierendenwerk ab sofort wieder Transfair Kaffee ausschenkt, da ohne besonderen Mehraufwand (bei Brühkaffee nimmt das Kaffeepulver nur einen Bruchteil des Preises ein) ein klares Zeichen gesetzt werden kann, sich nicht mehr an der Ausbeutung von Kleinbauern zu beteiligen.