Archiv für November 2005

Figura wird deutlich – Bericht aus dem Senat

Äußeren Druck gäbe es nicht, es sei eine Entscheidung des Präsidiums. In dieser Form äußerte sich ein gesprächiger Figura am 16. November im Senat zu den Schließungen an der SoWi-Fakultät.

Folgende Position vertrat Figura im Senat:
Die Fakultät befindet sich in sehr schlechter Verfassung, an keiner Stelle erreiche sie das Minimum an Ausstattung. Da es kein Geld vom Land oder von anderen Fakultäten geben werde, müsse in dieser Situation (Umstellung auf Bachelor) über eine Umstrukturierung nachgedacht werden, um nicht in ein paar Jahren vom Landesministerium angepfiffen zu werden.

Clustergespräche:
Auf die Feststellung von Frau Kraul, dass die Politik in Hannover entgegen Figuras Aussagen von Donnerstag auch gekürzt werde, erklärte Figura, dass es sich bei den Clustergesprächen nicht um Gespräche zwischen Hannover und Göttingen handele, sondern um niedersachsenweite Gespräche. Hannover könne daher durchaus sagen: Wir schließen unsere Politik, es gibt ja noch den Standort Osnabrück.
Wer verarscht hier wen? Figura uns oder das Land den Figura?

Evaluationsbericht:
Die wissenschaftliche Bewertung der Politik und der Soziologie bezieht sich ausschließlich auf den Bericht der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen aus dem Jahr 2004. Allerdings verriet uns Figura, dass es eine vertrauliche Version gebe, aus der er auch zitiert. Vielleicht hätte er diese Information nicht so vertraulich behandeln sollen.
Die in diesem Bericht geforderte Interdisziplinarität von Politik und Soziologie, um die heutigen komplexen Fragen beantworten zu können, sieht Figura in seinem Vorschlag erfüllt. Schließlich gebe es in Zukunft eine Funktionseinheit, da die beiden politischen Professuren in der Soziologie aufgenommen werden.
Funktionseinheit gleich Interdisziplinarität? Wenn das mal so einfach wäre…

„Dialog“:
In der Senatssitzung forderte Figura den Senat auf, vorerst nicht in die Diskussion einzusteigen, da sonst der Eindruck vermittelt werde, dass es sich bei seinem Vorschlag um Ergebnisse handele. Auf die Erwiderung, man müsse doch gerade jetzt diskutieren, da zur Zeit der Eindruck herrsche, es handele sich um Ergebnisse und nicht um einen Dialog, antworte Figura nur: „Wenn sie das so sehen, dann sehen sie das so.“

Druck von Außen:
Obwohl Figura im Fakultätsrat mehrmals von „Druck von Außen“ gesprochen hatte, bestätigte er im Senat, dass es weder durch HOK III, noch durch die Clustergespräche und auch nicht aus dem Ministerium irgendwelchen Druck gebe, der seinen „Vorschlag“ beeinflusst habe. Vielmehr sei es eine alleinige Entscheidung des Präsidiums, diesen Weg zu gehen.

Im Gegensatz zur Fakultätsratssitzung outet Figura im Senat also das Präsidium, indem er zugibt, dass die Schließungen nicht auf Druck von Außen passieren, sondern zu 100 Prozent im Ermessen des Präsidiums liegen.

Schließung ohne uns!

Die Schließung auch ohne Dich? Am kommenden Donnerstag findet um 13 Uhr im ZHG 008 eine Vollversammlung statt, auf der über die nächsten Schritte beraten werden soll. Die Vorbereitung findet am Montag (14.11.) um 18 Uhr im Kollabs statt. Für den Info-Newsletter schickt eine leere Mail an: fsr-sowi-info@gmx.de!

„Politik in Göttingen nicht entwicklungsfähig“ das Ende der Politikwissenschaften

Neben der Politik werden auch die Pädagogik und der Sport zurückgefahren. Konkret: In Zukunft wird nur noch eine gymnasiale Lehramtsausbildung angeboten, in der Politik und Sport belegt werden können. Ein Bachelor bzw. Master ist in diesen drei Fächern nicht mehr vorgesehen, was vor allem in der Politik und im Sport einem Ende der Institute gleichkommt.
Für die jetzigen Magisterstudierenden muss zwar die Möglichkeit offen gehalten werden, ihre Studiengänge zu Ende zu studieren, dies geschieht dann jedoch unter dauernd schrumpfenden Angebot, da frei werdende Stellen nicht neu besetzt werden. Ob unter diesen Bedingungen ein ordentliches Studium möglich ist, darf bezweifelt werden.

Nun aber im einzelnen:
Die Fächer der SoWi-Fakultät wurden in der Vergangenheit vom Wissenschaftsrat des Landes Niedersachsens evaluiert. Hierbei haben pauschal gesagt die Soziologie und die Ethnologie gut, die Politik und die Pädagogik mit Ausnahme des gymnasialen Lehramtsstudienganges schlecht abgeschnitten.
Auf Grund dieser Bewertung, die sich nur auf die Forschung und nicht auf die Lehre der einzelnen Fächer bezieht, sieht sich Uni-Präsident von Figura dazu gezwungen, Politik, Pädagogik und Sportwissenschaften faktisch zu schließen, im Gegenzug will er die Soziologie und die Ethnologie stärken.
Was bleibt ist die Schulpädagogik, zwei Politikprofessuren, die in die Soziologie mit eingebunden werden, und schließlich eine Sportprofessur. So soll es den gymnasialen Lehramtsstudierenden weiterhin möglich sein, Politik und Sport zu studieren.
Für alle anderen StudienanfängerInnen werden die Türen aber ab dem Wintersemester 2006 geschlossen. Den jetzigen Magisterstudierenden verbleiben dann 13 Semester, ihr Studium abzuschließen.

Von Figura hat diese „Entscheidung“ auf der Fakultätsratssitzung der Sozialwissenschaftler als Vorgabe des Ministeriums verkauft, gleichzeitig bot er einen Dialog an, der erst mit dem Ende des Wintersemesters beendet werden solle. Um was für eine Art Dialog es sich hierbei handeln würde, bei dem das Ergebnis schon zu Beginn feststeht, konnte oder wollte Figura nicht beantworten. Auch verschwieg er, dass die Fächer nur dann eine Zukunft haben, wenn sie innerhalb der nächsten drei Wochen zur Akkreditierung in Hannover angemeldet werden.
Die wohl beeindruckendste Gegenrede zu Figura hielt Franz Walter, der in der abschätzigen Redeweise des Präsidenten über die Politikwissenschaften eine Kränkung und Beleidigung unserer Intelligenz ausmachte und den bundesweit guten Ruf des Instituts verteidigte, was vom überfüllten Hörsaal ZHG 010 mit stehenden und anhaltenden Ovationen bedacht wurde.

Abgesehen davon, dass der entsprechende Bericht der Wissenschaftskommission die Politik in Göttingen überhaupt nicht so negativ sieht, wie Figura es uns suggerieren will, verfolgen das Land und auch Figura ein klares Ziel: Fächer, die an mehreren Unis in Niedersachsen angeboten werden, sollen auf einzelne Unis konzentriert werden (Clusterbildung). So wurden die Soziologie und die Politik in Hannover genau andersherum evaluiert wie in Göttingen. Was für ein Zufall! In Hannover steht also die Soziologie vor der Schließung und die Politik vor einer Stärkung.
Das riecht also nach einem abgekarteten Spiel, in dem es nur noch um Excellence und Leistung geht. Das parallele Studium von Soziologie und Politik wird somit in Göttingen und Hannover unmöglich.

Stellt sich zum Schluss die Frage, ob es noch ein Zurück gibt oder ob das Ende der Politikwissenschaft besiegelt ist? Wie schon bei den Studiengebühren ist Figura kein Präsident, der sich für seine Studierenden in Hannover einsetzt. Anstatt gegen die angeblichen „Zwänge“ aus Hannover zu protestieren, präsentiert Figura gleich ein Modell, wie die Fächer abgewickelt werden. Gilt Figura als Studiengebührenbefürworter können wir wohl auch im Fall der Schließungen davon ausgehen, dass Figura voll hinter seinen Plänen steht.
Bleibt also zu hoffen, dass sich der lautstark geäußerte Wunsch der über 600 Studierenden im Hörsaal 010 verwirklicht: „Rücktritt!“