„Politik in Göttingen nicht entwicklungsfähig“ das Ende der Politikwissenschaften

Neben der Politik werden auch die Pädagogik und der Sport zurückgefahren. Konkret: In Zukunft wird nur noch eine gymnasiale Lehramtsausbildung angeboten, in der Politik und Sport belegt werden können. Ein Bachelor bzw. Master ist in diesen drei Fächern nicht mehr vorgesehen, was vor allem in der Politik und im Sport einem Ende der Institute gleichkommt.
Für die jetzigen Magisterstudierenden muss zwar die Möglichkeit offen gehalten werden, ihre Studiengänge zu Ende zu studieren, dies geschieht dann jedoch unter dauernd schrumpfenden Angebot, da frei werdende Stellen nicht neu besetzt werden. Ob unter diesen Bedingungen ein ordentliches Studium möglich ist, darf bezweifelt werden.

Nun aber im einzelnen:
Die Fächer der SoWi-Fakultät wurden in der Vergangenheit vom Wissenschaftsrat des Landes Niedersachsens evaluiert. Hierbei haben pauschal gesagt die Soziologie und die Ethnologie gut, die Politik und die Pädagogik mit Ausnahme des gymnasialen Lehramtsstudienganges schlecht abgeschnitten.
Auf Grund dieser Bewertung, die sich nur auf die Forschung und nicht auf die Lehre der einzelnen Fächer bezieht, sieht sich Uni-Präsident von Figura dazu gezwungen, Politik, Pädagogik und Sportwissenschaften faktisch zu schließen, im Gegenzug will er die Soziologie und die Ethnologie stärken.
Was bleibt ist die Schulpädagogik, zwei Politikprofessuren, die in die Soziologie mit eingebunden werden, und schließlich eine Sportprofessur. So soll es den gymnasialen Lehramtsstudierenden weiterhin möglich sein, Politik und Sport zu studieren.
Für alle anderen StudienanfängerInnen werden die Türen aber ab dem Wintersemester 2006 geschlossen. Den jetzigen Magisterstudierenden verbleiben dann 13 Semester, ihr Studium abzuschließen.

Von Figura hat diese „Entscheidung“ auf der Fakultätsratssitzung der Sozialwissenschaftler als Vorgabe des Ministeriums verkauft, gleichzeitig bot er einen Dialog an, der erst mit dem Ende des Wintersemesters beendet werden solle. Um was für eine Art Dialog es sich hierbei handeln würde, bei dem das Ergebnis schon zu Beginn feststeht, konnte oder wollte Figura nicht beantworten. Auch verschwieg er, dass die Fächer nur dann eine Zukunft haben, wenn sie innerhalb der nächsten drei Wochen zur Akkreditierung in Hannover angemeldet werden.
Die wohl beeindruckendste Gegenrede zu Figura hielt Franz Walter, der in der abschätzigen Redeweise des Präsidenten über die Politikwissenschaften eine Kränkung und Beleidigung unserer Intelligenz ausmachte und den bundesweit guten Ruf des Instituts verteidigte, was vom überfüllten Hörsaal ZHG 010 mit stehenden und anhaltenden Ovationen bedacht wurde.

Abgesehen davon, dass der entsprechende Bericht der Wissenschaftskommission die Politik in Göttingen überhaupt nicht so negativ sieht, wie Figura es uns suggerieren will, verfolgen das Land und auch Figura ein klares Ziel: Fächer, die an mehreren Unis in Niedersachsen angeboten werden, sollen auf einzelne Unis konzentriert werden (Clusterbildung). So wurden die Soziologie und die Politik in Hannover genau andersherum evaluiert wie in Göttingen. Was für ein Zufall! In Hannover steht also die Soziologie vor der Schließung und die Politik vor einer Stärkung.
Das riecht also nach einem abgekarteten Spiel, in dem es nur noch um Excellence und Leistung geht. Das parallele Studium von Soziologie und Politik wird somit in Göttingen und Hannover unmöglich.

Stellt sich zum Schluss die Frage, ob es noch ein Zurück gibt oder ob das Ende der Politikwissenschaft besiegelt ist? Wie schon bei den Studiengebühren ist Figura kein Präsident, der sich für seine Studierenden in Hannover einsetzt. Anstatt gegen die angeblichen „Zwänge“ aus Hannover zu protestieren, präsentiert Figura gleich ein Modell, wie die Fächer abgewickelt werden. Gilt Figura als Studiengebührenbefürworter können wir wohl auch im Fall der Schließungen davon ausgehen, dass Figura voll hinter seinen Plänen steht.
Bleibt also zu hoffen, dass sich der lautstark geäußerte Wunsch der über 600 Studierenden im Hörsaal 010 verwirklicht: „Rücktritt!“

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