Überlasst Bad Nenndorf nicht den Nazis!

[Dieser Artikel ist auch in der Grünphase Nr. 33 erschienen]

Die rechte Szene nutzt die Bombardierung Dresdens am Ende des Zweiten Weltkrieges schon länger, um das deutsche Bild des Zweiten Weltkrieges zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Es wird versucht Dresden als unschuldiges Opfer der Alliierten darzustellen. Dass Deutschland den zweiten Weltkrieg begonnen hat, wird ausgeblendet. Seit einigen Jahren versuchen sie ähnliches in Bad Nenndorf, der „Gedenkmarsch“ ist bereits jetzt der größte Naziaufmarsch im Norden der Bundesrepublik.
Am 06.08 wollen die Nazis erneut durch Bad Nenndorf marschieren um angeblich um die Menschen zu trauern, die während ihrer Inhaftierung im Bad Nenndorfer Militärgefängnis Wincklerbad verstorben sind. Gefangen in dem Verhörlager war unter anderem der SS-General Oswald Pohl, der auch Leiter des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes und somit zuständig für die Konzentrationslager war.
Im Wincklerbad wurden teilweise Foltermethoden eingesetzt, weshalb es 1947 geschlossen wurde. Dies ist der Ansatzpunkt der Nazis, die an dieser Stelle Deutschland in eine Opferrolle und die Alliierten in eine Täterrolle drängen wollen um so das Täter-Opfer-Verhältnis umzukehren. Die Darstellung der Deutschen in den Lagerscheinwerfern Bad Nenndorfs als Opfer der Alliierten, dürr und gebrochen, statt der Mörder*innen mit Uniformen in den Scheinwerfern Auschwitz‘ verbildlicht das Ziel des Aufmarsches: Die Geschichte mitsamt der Verbrechen der Nazis soll relativiert werden.

Oma, Opa und Hans-Peter – keine Opfer, sondern Täter!
Was aber lässt sich eigentlich dagegen sagen, wenn den Opfern von Folter gedacht wird? Eine Menge, denn wie bereits gesehen dienen diese Veranstaltungen den Nazis in erster Linie als Propaganda, um das deutsche Unrecht zu relativieren und um das Täter-Opfer-Verhältnis umzudrehen. Dies ist schon deshalb Blödsinn, weil Deutschland sich mit der Initiierung des Zweiten Weltkrieges und dessen verbitterter Fortührung erst in die Situation hineinmanövriert hat. Auch mögen Folter und Misshandlung noch so verabscheuenswürdig sein, mit dem NS-Völkermord lassen sie sich nicht gleichsetzen. Und wie der Historiker Heiner Wember in einem Beitrag für die Zeit ausführt, existierte in Großbritannien offenbar ein ausreichendes Kontrollsystem, das die Verhältnisse in Bad Nenndorf aufdeckte, beendete und in einem Gerichtsverfahren sofort anerkannte. In Deutschland war dies nicht der Fall.
Dies hindert die Nazis nicht daran, die Vorkommnisse in Bad Nenndorf politisch auszuschlachten und für ihre Propagandazwecke zu missbrauchen. Das wollen wir nicht akzeptieren und werden uns am 6. August an den kreativen und vielfältigen Gegenveranstaltungen beteiligen. Wir hoffen, dass ihr alle, die der Verdrehung der Geschichte und der rechten Szene allgemein entgegentreten wollt, uns begleiten werdet oder wir euch bereits auf unserer Soliparty am 13. Juli begrüßen dürfen!

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  1. 1 GB Bilder » Überlasst Bad Nenndorf nicht den Nazis! « Grüne Hochschulgruppe … Pingback am 10. Juli 2011 um 21:22 Uhr
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