Facebook 1984:

Big Brother is watching you

Digitale soziale Netzwerke nehmen einen immer größer werdenden Bestandteil unseres Miteinanders ein. Für viele begann es vor einigen Jahren mit MySpace, dann ging es weiter über SchülerVZ oder StudiVZ. Heute sind die meisten bei Facebook unterwegs. Jedoch wissen viele Leute gar nicht, was die Anmeldung und Nutzung bei Facebook so für Nebeneffekte mit sich bringt. Denn mal ehrlich: Wer ließt sich ständig die immer weiter anwachsenden Nutzungsbedingungen bei jeder Änderung durch, geschweige denn lehnt diese wegen kritischer Punkte ab? Der Effekt wäre schließlich ein Verlust des digitalen Zugangs zum sozialen Miteinander.

„Facebook lässt George Orwells „Big Brother“ blass vor Neid werden“

Dabei sind diese „Nebeneffekte“ von Facebook keine Kleinigkeiten. Zuerst das, was wohl den meisten klar sein müsste: Es werden massenhaft Daten über dich angesammelt. Das ist nicht nur das Offensichtliche, was du direkt bei Facebook eingibst. Mit Hilfe von Cookies (kleinen „Datenkrümeln“, die auf deinem Computer gespeichert werden) kann Facebook sogar dein Surfverhalten erheben. Ist auf einer Webseite, die du besuchst, ein like-button, dann speichert Facebook, dass du diese Seite besucht hast. Dazu musst du ihn nicht einmal anklicken.[5] Dem Verkauf der dich betreffenden Daten an Dritte stimmst du übrigens mit dem Akzeptieren der Nutzungsbedingungen zu. Sogar deine privaten, bei Facebook hochgeladenen Urlaubsfotos dürfen verwendet werden [1]. Und damit alle gesammelten Daten auch wirklich einer real-existierenden Person zugeordnet werden können, wurde die Registrierung unter Pseudonymen offiziell verboten (auch wenn das natürlich nicht komplett von Facebook überprüft werden kann) [2]. Für so einen miesen Datenschutz wurde Facebook mehrfach ausgezeichnet: Die Stiftung Warentest attestierte dem Netzwerk „erhebliche Mängel“ in Sachen Datenschutz [6]. Ferner erhielt es den BigBrotherAward, in dessen Bekanntmachung Facebook wie folgt beschrieben wird: „das nette ‚soziale’ Netzwerk, lässt George Orwells ‚Big Brother’ blass vor Neid werden“ [7]. Mittlerweile fahndet sogar die Polizei über Facebook. In Deutschland wird es unter anderem vom BKA für offene und verdeckte Ermittlungen benutzt. Die Nutzung von Facebook beginnt bereits bei kleineren Verkehrsdelikten [4].

Daten werden auch ohne Account gesammelt

Was? Du hast gar kein Facebook? Nun, das muss nicht bedeuten, dass Facebook nichts über dich weiß. Hat ein*e deine*r Bekannten mit der Facebook App das Handyadressbuch auslesen lassen, so kann es sein, dass Facebook deinen Namen und deine Adresse gespeichert hat, ganz ohne, dass du einen Facebookaccount hast [3].

Wie wär’s mit einem sozialen Netzwerk, bei dem deine Daten unter deiner Kontrolle stehen?

Um diesen Nebeneffekten von Facebook zu entgehen, begannen Mitte 2010 vier Menschen mit der Arbeit an einem dezentraleren sozialen Netzwerk, bei dem die Privatsphäre im Vordergrund stehen sollte, statt der möglichst umfangreichen Erstellung von Profilen der User*innen. Dies funktioniert so, dass die Software frei (open source) ist und von jedem*r auf einem eigenen Server installiert werden kann. Diese Server, „Pods“ genannt, vernetzen sich miteinander, wodurch ein globales Netz angelegt wird, das nicht von einer großen Firma dominiert werden kann. Selbstverständlich behält man selbst die Rechte an den eingestellten Inhalten. Dieses Netzwerk trägt den Namen Diaspora*.
Derzeit ist die Software noch im Alpha-Stadium (befindet sich noch in der Entwicklung). Dennoch funktioniert sie schon relativ gut und beinhaltet viele Features (unter anderem das, was Google+ als ‚Circles’ abkupferte). Wer einen Blick darauf werfen möchte, kann dies auf einem der vielen Pods tun (z.B. http://geraspora.de oder http://joindiaspora.com).
Diaspora* in Göttingen

Wir sind der Meinung, dass der AStA als Vertretung der Studierenden in der kommenden Legislatur die Aufgabe übernehmen sollte, in Göttingen die Infrastruktur für ein solches Netzwerk bereitzustellen. Die Studis sollen die Möglichkeit bekommen, ein dezentrales Netzwerk, das unter ihrer Kontrolle steht, nutzen zu können.
Daher fordern wir die Einrichtung eines Diaspora* Servers durch den AStA.

[1]http://www.facebook.com/legal/terms
[2]http://www.smh.com.au/news/technology/biztech/banned-for-keeps-on-facebook-for-odd-name/2008/09/25/1222217399252.html
[3]http://www.heise.de/newsticker/meldung/Was-Facebook-ueber-Nicht-Mitglieder-weiss-921350.html
[4]http://www.heise.de/newsticker/meldung/Virtuelle-Ermittler-in-sozialen-Netzen-1279004.html
[5]http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Verbraucherschutz/Facebook-Button-Fanpage.html
[6]http://www.test.de/themen/computer-telefon/test/Soziale-Netzwerke-Datenschutz-oft-mangelhaft-1854798-1855976/
[7] http://www.bigbrotherawards.de/2011/.comm1

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