Vegan leben

Vegetarier*in sein ist heute nichts Besonderes mehr. Jede*r kennt mindestens einen oder eine, der*die sich entschlossen hat, kein Fleisch mehr zu essen. Eine vegetarische Lebensweise ist im Allgemeinen gut akzeptiert und praktikabel. Menschen entscheiden sich nicht nur aufgrund von moralischen Prinzipien, sondern auch aus gesundheitlichen oder ökonomischen Gründen für eine fleischlose Ernährung. Auch wenn die Mehrheit im Bekanntenkreis diese Einstellung nicht teilt, sind die Beweggründe doch nachvollziehbar. Aber wie sieht das aus, wenn Menschen sich entscheiden, gar keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren? Das heißt, Fleisch, Käse, Eier, Milch, Joghurt und jede Menge Gerichte oder Fertigprodukte, das eine dieser Zutaten enthalten, fallen weg. Und vegan heißt ja auch nicht nur die Ernährung, sondern die Lebensweise, das heißt, im Tierversuch getestete Produkte kommen nicht in Frage (also ein großer Teil der kosmetischen Produkte und Medikamente), Leder auf keinen Fall und auch bei der Haltung eines Haustieres wird es kritisch.
Ich persönlich habe oft die Meinung gehört, dass Veganer*innen „zu extrem“ seien oder „missionarisch unterwegs“, wodurch sich Menschen, die Fleisch essen, belästigt fühlen. Die am häufigsten gestellte Frage aber ist mit Sicherheit:

„Was kannst du dann überhaupt noch essen?“

Eine ganze Menge! Durch die vegane Ernährung fallen zwar einige Lebensmittel aus dem Speiseplan heraus, doch dafür gibt es mittlerweile eine große Bandbreite an Ersatzprodukten. Außerdem müssen Veganer*innen sehr darauf achten, dass sie alle nötigen Vitamine und Mineralien zu sich nehmen. Das erfordert eine genaue Planung, die die Essenszubereitung zeitaufwendiger, aber auch sehr viel abwechslungsreicher macht. Einige Lebensmittel habe ich so erst kennen und schätzen gelernt.
Im Wesentlichen gibt es zwei Hauptprobleme, die eine vegane Lebensweise erschweren.
1. Zeit, denn für eine ausgewogene Ernährung braucht es Planung und auch die Zubereitung ist zeitaufwendig, denn vegane Fertigprodukte gibt es fast (noch) nicht. Gerade im stressigen Uni-Alltag ist das ein Problem. Um ein entspanntes und gleichberechtigtes Lernen für Veganer*innen zu ermöglichen, ist es deshalb Aufgabe der Uni, vegane Gerichte in allen Mensen bereit zu stellen.
2. Was mache ich, wenn ich bei Menschen zu Besuch bin, die nicht vegan leben? Mir persönlich ist es unangenehm, wenn meine Freund*innen oder Familie wegen mir einen Extra-Aufwand betreiben, denn meistens haben sie auch keine Ahnung, wie sie überhaupt vegan kochen können. Da hilft nur, immer etwas dabei zu haben oder vegane Ersatzprodukte vorzustellen. Das soll dann keinesfalls „missionarisch“ daherkommen, sondern einen einfacheren Umgang mit meinen Bedürfnissen ermöglichen.
Es gibt also eine ganze Menge zu beachten. Aber es macht auch eine Menge Spaß. Oft muss mensch nämlich in der Küche erfinderisch werden. Brotaufstriche werden selber gemacht und lassen das Angebot an Wurst und Käse fade und einseitig erscheinen. Plötzlich entdeckst du, dass du auch für dreistöckige Torten weder Eier noch Milch verwenden musst. Außerdem is(s)t mensch als Veganer*in ja auch nicht allein. Die Entscheidung für ein veganes Leben ist dennoch schwer nachzuvollziehen und viele Menschen fragen sich wahrscheinlich:

Warum tun Leute sich das an?

Manchmal kommt es mir auch eher vor wie eine selbst auferlegte Folter. Meistens ist Veganismus für mich mehr Gewinn als Verzicht, aber die sehnsuchtsvollen Momente vor dem Schoko-Regal im Supermarkt oder beim Anblick einer Pizza gibt es eben doch. Da gilt dann: Tu, was dir gut tut. Wenn es sich gut anfühlt, am Geburtstag des besten Freund*es ein Stück Kuchen zu essen, der nicht vegan ist, dann mach ich halt mal ne Ausnahme.
Außerdem ist mir auch klar, dass 100% vegan in dieser Gesellschaft gar nicht möglich ist. Das Medikament, das die Ärzt*in mir verschreibt, wurde mit Sicherheit an Tieren getestet und meine alten Stiefel sind eben aus Leder. Soll ich die deshalb wegwerfen und durch welche aus Plastik ersetzen? Das ist auch nicht besser für die Umwelt… „Nur“ vegetarisch ist mir dann aber doch zu wenig, denn auch für die Produktion von Eiern und Milch sterben Tiere – und das völlig ohne Sinn. Denn jede Legehenne hat einen Bruder, der sofort nach dem Schlüpfen getötet wurde. Die Zucht der so genannten Nutztiere hat es so weit gebracht, dass Hühnerrassen entweder nach Fleisch- oder nach Eierproduktion selektiert werden. Die kleinen Hähne, die Söhne von Legehennen sind, werden also nicht etwa zu Brathähnchen, sondern landen, nur wenige Minuten alt, entweder direkt in der Mülltonne oder sie werden vergast. Und es kommen auch nicht nur weibliche Kälber zur Welt…
Bei all den Widersprüchen und Gewissensbissen bleibt mir eines doch ganz klar: Ich will nicht, dass für mich Lebewesen eingesperrt und getötet werden. Solange es anders geht, soll kein lebendiges Wesen Schmerz und Leid erfahren, nur weil ich es lecker finde oder eine schöne neue Tasche haben will.

Und was fangen wir jetzt damit an?

Wie sich mensch ernährt und lebt, bleibt jedem*r selbst überlassen. Und egal ob nun Fleisch, Käse oder Tofu auf dem Teller landen: Solch eine Entscheidung sollte von der Umwelt nicht nur respektiert, sondern auch erleichtert und ermöglicht werden. Gerade in der Uni muss deshalb auf die Bedürfnisse der Studierenden eingegangen werden, die sich veganes Essen wünschen, indem dieses in allen Mensen angeboten wird. Dafür setzt sich die Grüne Hochschulgruppe ein.

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