Archiv der Kategorie 'Selbstverwaltung'

Das Problematische am Studierendenparlament

Jedes Jahr aufs Neue wird im Januar an der Uni ein neues Studierendenparlament gewählt. Weil es dieses Jahr mehr Studierende gibt, gibt es auch mehr Sitze in diesem Parlament. Waren es bis jetzt 47 Sitze, werden es in den kommenden beiden Semestern 51 sein. Künftig werden also 51 Menschen im ca. monatlich tagenden Parlament sitzen, die die Interessen von mehr als 25.000 Studierenden artikulieren und umsetzen sollen.

Perfekte Vertretung ist unmöglich!

Früher oder später stellt sich doch die Frage: Was sind diese 51 Menschen bloß für Leute, dass sie sich zutrauen, um nicht zu sagen anmaßen, jeweils ca. 500 Studierende zu repräsentieren bzw. zu vertreten?
Und was sind denn eigentlich die Voraussetzungen, um jemanden zufriedenstellend zu vertreten? Grundsätzlich ist, dass man die Person kennt, die man vertreten soll, denn zum Vertreten benötigt man viele Informationen, z.B. wie die vielfältigen Meinungskombinationen inklusive der zugehörigen Begründungen und die jeweilige individuellen Lebenssituationen aussehen. Jedoch sind die Wahlen geheim (aus gutem Grund, nämlich damit sie durch direkte Einflussnahme der zur Wahl stehenden nicht noch undemokratischer werden), was eine Vertretung massiv erschwert.
Nehmen wir mal an, ein*e Parlamentarier*in würde all diese Voraussetzungen erfüllen und stünde nun vor einer Entscheidung im Studierendenparlament. Dies würde in den meisten Fällen konsequenterweise zu einem inneren Konflikt führen, da sich die Meinungen der 500 zu vertretenden Menschen häufig nicht mit einander vereinbaren lassen, sich zumindest aber unterscheiden.
In der Realität vertritt ein ins Parlament gewählter Mensch aber nicht die Interessen der 500 Wähler*innen. Unter anderem, weil die zur guten Vertretung benötigten Voraussetzungen nicht erfüllt werden können, schreiben die Gruppen Wahlprogramme und formulieren so eine Meinungskombination der zur Wahl stehenden Gruppe.
Von der anderen Seite betrachtet, ist es aber nur selten der Fall, dass die Meinung einer*s Wahlberechtigten 100% mit den Positionen einer zu wählenden Gruppe (oder Liste im Falle der Uniwahlen) übereinstimmen. Die zur Wahl stehenden Gruppen schreiben sich ihre Wahlprogramme nach den eigenen Interessen zurecht und manche Leute lesen diese sogar. Doch beim Gang zur Urne können sich die meisten gar nicht für eine gute Vertretung ihrer Interessen und Meinungen (im Sinne einer einhundertprozentigen inhaltlichen Überschneidung) entscheiden. Stattdessen wird das kleinere Übel, also die Gruppe, mit der man am meisten inhaltliche Überschneidungen und am wenigsten Unterschiede aufweist, gewählt.

Für ein gerechte Wahlverfahren!

Der Grundsatz, dass bei Wahlen jede Stimme gleichviel wert sein soll wird zwar festgeschrieben, jedoch durch das praktizierte Auszählverfahren (d‘Hondt) ad absurdum geführt. Durch das Verfahren erhalten nämlich große Fraktionen mehr Sitze als ihnen rechnerisch zustehen (in diesem Jahr z.B. die ADF 14 statt „rein rechnerisch“ 12,89) während kleine Fraktionen benachteiligt werden (z.B. die Linke.SDS, die deswegen gar nicht erst ins Parlament einziehen konnte). Dieser Missstand wurde bereits in vielen Gremien der Universität aufgehoben. Als es darum ging, die Wahlen zum Studierendenparlament gerechter zu gestalten, so votierten die ADF und der RCDS geschlossen gegen die von uns aus dem AStA eingebrachte Ordnungsnovelle.
Übrigens: An den Uniwahlen in Göttingen nahmen in den letzten Jahren weniger als 30% der Studierenden teil.
Wer da noch von einer „demokratisch legitimierten parlamentarischen Vertretung“ sprechen kann, scheint Demokratie mit Oligarchie (Herrschaft einer Minderheit) zu verwechseln.

Jede*r soll mitbestimmen dürfen!

Die Wahl (und die meist zeitgleich stattfindende Urabstimmung über das Semesterticket) sind in der Regel die einzigen Möglichkeiten zur Mitbestimmung auf universitärer Ebene, wenn man sich nicht gleich in einer der zur Wahl stehenden Gruppen engagieren will.
Die Arbeit des Parlamentes ist schon durch seine Struktur und sein Zustandekommen auf ein „Gegeneinander“ aller Gruppen ausgerichtet. Die Gruppen müssen Unterschiede zu anderen Gruppen betonen, sich abgrenzen und profilieren, um Stimmen bei den Wahlen zu erhalten. Dies führt zu einer polarisierenden Grundtendenz in der Unipolitik statt zu einem konsensorientierten Arbeiten, das Lösungen anstrebt, mit denen alle Beteiligten leben können.

Vollversammlungen etablieren!

Das Demokratischste, was die Uni zu bieten hat, sind Vollversammlungen, an der jede*r aktiv teilnehmen kann. Leider haben diese kaum Entscheidungsbefugnisse, und es gibt sie nur auf kleineren Ebenen der Uni (z.B. die Fachschaftsvollversammlung, die den Fachschaftsrat kontrollieren und ein Diskussionsforum bieten soll). Ein Schritt zur Demokratisierung der Uni könnte eine Ausweitung der Kompetenzen dieser Vollversammlungen sein.
Ferner könnten universitätsweite Vollversammlungen mit Entscheidungsbefugnissen, um die Belange der Studierenden aller Fakultäten auf zentraler Ebene gemeinsam, selbstbestimmt und direkt zu regeln, eine demokratische Ergänzung/Alternative zum Studierendenparlament darstellen. (Nein, alle Studis unterzubringen ist nicht unrealistisch, sondern wurde bereits vor einigen Jahren an unserer Uni praktiziert, nämlich im ZHG).
Doch um so eine Struktur zu ermöglichen, bedarf es einer 2/3-Mehrheit im Studierendenparlament, da dafür die Organisationssatzung geändert werden müsste. Die Gruppen ADF und RCDS haben sich jedoch in der Vergangenheit bereits bei Diskussionen um den Hauch einer Demokratisierung der Unistrukturen mit Händen und Füßen gewehrt, sei es aus Strukturkonservatismus und/oder Machterhaltungsgründen. Offensichtlich trauen diese Gruppen es den Studierenden nicht zu, mündig für sich selbst Entscheidungen zu treffen.

Daher möchten wir euch bitten, diesen Text bei der im Januar kommenden Wahl im Hinterkopf zu behalten und eine der Listen zu wählen, die bereit sind, auch traditionell Bestehendes kritisch zu hinterfragen und (Basis)Demokratie auf Uniebene zu etablieren.

Niemand weiß so gut wie du, was deine Meinungen und Interessen sind. Daher kannst du dich am besten selbst vertreten!

PermakulturRaum-Projekt an der Universität Göttingen

Ein Blick in eine andere Welt, in der wir auf Dauer leben könnten.

„Leben und Leben lassen“

„Gutes Leben ohne anderes Leben und dessen Vielfalt zu beeinträchtigen“ –
Diesem Wunsch haben wir uns in unserem Selbstversuch für eine bessere Welt verschrieben.
Nördlich vom Nordcampus, in einem kleinen Garten, ist die Idee von einer umweltverträglichen, menschlichen und fairen Lebensweise auf fruchtbaren Boden gefallen. Dort leben im „Basislager“ des PermakulturRaum-Projekts derzeit drei Studierende in einer kleinen Hütte und Bauwagen – ohne Wasser- und Stromanschluss, dafür mitten im Grün. Warum?

Alternativen ausprobieren

Klimawandel, Krieg, Konsum, Krisen – es ist unübersehbar, dass die Welt derzeit im Argen liegt – nicht zuletzt aufgrund „unserer“ Lebensweise im „globalen Norden“: Langfristige Ausbeutung von Mitwelt und Menschen für eine „moderne“ Lebensweise hat dazu geführt.
Doch wie könnten Alternativen aussehen?
Anfang 2010 begonnen, versuchen wir hier genau das ergründen: Wie könnte eine langfristige, nachhaltige Lebensweise aussehen?
Dabei verstehen wir uns in erster Linie als Lernende, experimentieren, gärtnern, bauen und schauen über den Tellerrand, um uns und unser Projekt mit neuen Perspektiven und Ideen wachsen zu lassen.

Schaut es euch doch einfach einmal an!
Ihr findet uns, wenn ihr bei der Polizei nördlich der Norduni links auf den Feldweg, dann rechts bergan und dann bei der Abzweigung links fahrt. Beim zweiten Gatter des Gartens geht’s rein.
Oder schaut bei dem Modul „PermakulturRaum“ vorbei:
Mittwochs 18-20 Uhr, Geowissenschaftliches Zentrum MN 016.
Derzeit geht es mehr um die Theorie, im nächsten Semester könnt ihr dann auch bei Projekten auf anderen Flächen mit anpacken.

Jeder Mensch hat das Potential, in sich die Welt zu verändern -
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.“ (Mahatma Gandhi)

Wen wählen, wenn Wahlen?

Informationen zur Uni-Wahl

Was kann ich wählen?


1. Senat

- besteht aus 13 Leuten, davon sieben Profs, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, zwei Menschen aus dem Verwaltungsdienst und zwei Studierende
- entscheidet über alle wichtigen Fragen der Uni, z.B. Stellenbesetzung, finanzielle Mittel, Zulassungsbeschränkungen

2. Fakultätsrat
- besteht aus 13 Vertreter*innen des Fachbereichs, mit gleicher Verteilung wie im Senat
- entscheidet über Angelegenheiten des Fachbereichs (z.B. Stellenbesetzungen…)
- beschließt Studien- und Prüfungsordnungen

3. Studierendenparlament (StuPa)

- ist das höchste Organ der selbstverwalteten Studierendenschaft
- besteht ab diesem Jahr aus 51 Studierenden (vorher 47)
- wählt den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA)
- beschließt den Haushalt des AStA

4. Fachschaftsparlament
- besteht aus Fachschaftsgruppen, die in einer oder mehreren Listen zur Wahl antreten
- wählt den Fachschaftsrat, der u.a. die Vertreter*innen zur Fachschaftsräteversammlung (FSRV) entsendet
- vergleichbar mit dem StuPa, jedoch auf Fachbereichsebene

5. Fachgruppensprecher*innen

- vertreten die Belange der Studierenden eines Studienfachs, etwa vergleichbar mit Klassensprecher*innen mit eigenen Geldern

6. Ausländisches Studierendenparlament (ASP)

- kann nur von „Ausländer*innen“ gewählt und besetzt werden
- vergleichbar mit dem StuPa für Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft

Wen kann ich wählen?

Mit Ausnahme der Fachgruppensprecher*innen (Personenwahl) werden alle studentischen Vertreter*innen durch eine personengebundene Listenwahl bestimmt. Das bedeutet, jede*r kann eine Person wählen und wählt damit auch gleichzeitig eine Liste. Bei der Vergabe der Sitze entscheidet die prozentuale Stimmverteilung unter den Listen. Die jeweils stimmenstärksten Kandidat*innen der Listen sind gewählt, dürfen sich aber auch vertreten lassen.

Wie kann ich wählen?

1. Im Wahllokal
Unter Vorlage eines Studien- bzw. Personalausweises kann jede*r in seinem oder ihrem Fachbereich wählen. Die Wahlberichtigung ist nicht nötig!
2. Per Briefwahl
a) die Wahlunterlagen können angefordert werden.
Hierfür müsst ihr die Wahlbenachrichtigung bis zum 10. Januar um 17 Uhr einsenden.
b) Persönlich können die Briefwahlunterlagen bis zum 13. Januar um 15:30 Uhr bei der Wahlleitung in der Goßlerstraße 5-7 abgeholt werden.
In beiden Fallen müssen die Unterlagen bis zum 19. Januar um 17 Uhr wieder bei der Wahlleitung angelangt sein.

Wann und wo kann ich wählen?

Vom Dienstag, 17. Januar, bis Donnerstag, 19. Januar, sind die Wahllokale in euren jeweiligen Fachbereichen
geöffnet. An diesen Tagen könnt ihr alle oben genannten Organe wählen.
Am Freitag, 20. Januar, ist außerdem ein Wahllokal im ZHG geöffnet. Dort können dann aber nur noch das StuPa, die Fachschaftsparlamente, das ASP und die Fachgruppensprecher*innen gewählt werden.

Einsteiger*innenabend der Grünen Hochschulgruppe

Ideen für Aktionen?
Lust auf gesellschaftspolitisches Engagement?
Kein Bock auf verstrahlte Umwelt?
Keinen Appetit auf die neuste Genkartoffel?

Wir sind eine basisdemokratische, links alternative und ökologisch orientierte Hochschulgruppe. Wir engagieren uns sowohl in der Hochschule (verschiedene Fachschaften und der AStA werden dieses Jahr von uns mit gestellt) als auch in der Stadt in allen gesellschaftspolitischen Bereichen.
Wir brauchen Dich!
Es gibt noch viel zu tun.

Komm zur GHG!
14. und 28. November (20 Uhr c.t.)
Rosa-Luxemburg-Haus (AStA-Gebäude)
Goßlerstr. 16 (Ecke Kreuzbergring)

Open Uni – Selbstbestimmtes Lernen!

Wir haben sie schon länger gefordert, jetzt ist sie da – die Open Uni – und zwar als Projekt des ganzen AStA und vieler anderer Gruppen und Menschen, die sich daran beteiligen. Vom 11. bis zum 13. November diesen Jahres gibt es den Raum um selbst Veranstaltungen stattfinden zu lassen, auf die man Lust hat. Du möchtest gern mit Leuten über bestimmte Dinge diskutieren, oder möchtest deine Kenntnisse in irgendeinem Bereich weitergeben? Nur zu! Bereits angemeldet sind zum Beispiel Workshops zur Organisation und Gestaltung von Workshops, zur Finanzkrise und Kapitalismus, zur Kindererziehung, und vielen Themen mehr. Doch nicht nur Workshops sind willkommen, die Form der von dir organisierten Veranstaltung hängt von dir ab, momentan finden sich unter anderem auch Filmvorstellungen und Spieleabende im Programm. Eine interaktive Übersicht findet sich auf der Homepage des AstA ( http://asta.uni-goettingen.de/478 ). Dort kann man auch direkt eine Veranstaltung anmelden und sie so der Übersicht hinzufügen.
Selbstverständlich kann man auch einfach ein tolles Wochenende verbringen und an Veranstaltungen teilnehmen, die andere organisiert haben, auch davon lebt das Projekt.
Auch wenn wir auf diese Art und Weise die Ökonomisierung der Bildung, wie sie unter anderem durch Bachelor und Master vorangetrieben wird, nicht rückgängig machen können, bietet sich so zumindest ein Zeitfenster von einem Wochenende, an dem selbstbestimmtes Lernen im Vordergrund steht. Du musst kein Lehrplan erfüllen, den irgendwelche Ministeriumsmitarbeiter*innen in Hannover für wichtig erachten und lernen, was andere meinen, das du lernen solltest.

Niemand anders weiß so gut wie du, was dich interessierst – und nur du entscheidest womit du dich beschäftigst!